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Weiter Sorgen um
Feuerwehrnachwuchs
Lübben/Luckau Fachausschüsse machen
den Kreisfeuerwehrverband Dahme-Spreewald transparenter. „Die einzelnen
Berichte haben das Innenleben des Verbands deutlich gemacht“, sagte Sylvia
Lehmann (SPD).
20.02.2012
Der
Kreisfeuerwehrverband Dahme- Spreewald tagte am Samstag in Groß Köris. Foto:
Andreas Staindl/asd1
Foto:
Andreas Staindl/asd1
„Vieles
wusste ich bisher nicht, schon gar nicht, wie stark unser Landkreis im
Feuerwehrsport ist.“ Die Landespolitikerin war während der
Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbands am Samstag in Groß Köris
nicht der einzige Gast, den die Vielfalt der Verbandsaufgaben überraschte.
Landrat Stephan Loge (SPD) fühlte sich „gut informiert“.
Das Gros der Fachausschüsse war erst im vergangenen Jahr gebildet worden und
zog jetzt erstmals Bilanz. „Wir müssen noch einheitlicher ausbilden, die
Ausbilder von organisatorischen Aufgaben entbinden“, sagte der zuständige
Fachbereichsleiter Reiner Graßhoff (Mittenwalde). „Technik-Chef“ Andreas
Lehmann (Bestensee) will die technische Beratung der Wehren forcieren. Daniel
Brost (Altgolßen) sorgt dafür, dass die Öffentlichkeit von der Arbeit des
Verbands informiert wird. Werner Lehmann (Lübben) bat, Feuerwehrgeschichte zu
bewahren. Mathias Liebe (Luckau) möchte die Brandschutzerziehung weiter
optimieren.
Beatrice Jüngling (Luckau) kümmert sich um die Frauen in der Feuerwehr – ist
derzeit allerdings noch Einzelkämpferin. „Vielleicht liegt es ja daran, dass
wir Frauen gut in den einzelnen Wehren integriert sind.“ Ihr Hinweis, dass es
Wehren gebe, die keine weiblichen Mitglieder aufnehmen, veranlasste Sylvia
Lehmann, den betreffenden Wehren „eine Rüge“ zu erteilen. „Solch ein Verhalten
gehört ins Archiv.“
Andreas Hilpert (Walddrehna) sorgte für Staunen bei den Gästen und Beifall bei
den Mitgliedern. Der Leiter des Fachausschusses Wettbewerbe – einem der
ältesten des Verbands – berichtete von zahlreichen Erfolgen im Feuerwehrsport
auf Kreis-, Landes- und Bundesebene. Und davon, dass die „hohe Kompetenz
unserer Schiedsrichter auch in anderen Bundesländern gefragt ist“.
4218 Kameraden engagieren sich derzeit in den 163 Wehren des Landkreises, wie
der Verbandsvorsitzende Dieter Heinze erklärte. 17 Wehren seien nicht Mitglied
im Kreisfeuerwehrverband. Vor Jahresfrist hätten die Wehren noch 200 Mitglieder
mehr gezählt. Altlandrat Martin Wille (SPD) sorgte sich deshalb um die
personelle Ausstattung der Feuerwehr: „Wir verlieren in den nächsten zehn
Jahren 20 Prozent unserer Kameraden. Jetzt müssen Ideen sprudeln, wie wir neue
Leute für die Feuerwehr gewinnen.“
Dieter Heinze zufolge sollen künftig noch mehr Frauen, aber auch Ruheständler,
Arbeitslose und Mitarbeiter beispielsweise aus dem öffentlichen Dienst
angesprochen werden. Eine personell starke Feuerwehr mit gut ausgebildeten
Kameraden wird künftig noch wichtiger, wie Ronald Judis sagte. Der
Kreisbrandmeister verwies dabei auf die Eröffnung des Flughafens in Schönefeld
im Juni dieses Jahres. Doch auch unabhängig vom Flugplatz nehmen die Schwere
und Häufigkeit der Einsätze zu, wie Stephan Loge sagte. „Wir brauchen deshalb
eine starke Solidarität zwischen den Wehren im Norden und Süden unseres
Landkreises.“
Andreas
Staindl/asd1
Schulreform sorgt für Streit
in Lübben
Lübben Es war ein intensiver Abend
mit klaren Worten. Bündnis 90/Die Grünen hatte zu einer Diskussion über
Inklusion in der Schule eingeladen – und traf auf zahlreiche fachliche Bedenken
der fundierten Art.
09.02.2012
Gegen Inklusion als solche hatte in
dem voll besetzten Raum der evangelischen Grundschule wohl keiner etwas.
Schulleiter – darunter Anke Pommerening von der 2. Grundschule und Ulrich Haase
vom Gymnasium – waren ebenso gekommen wie Lehrer und Erzieherinnen, Fachleute
des Landkreises und Elternsprecher. Doch bei der Frage, wie Inklusion – das
Einschließen von Menschen mit Behinderung aller Art in die allgemeine
Lebenswelt auf allen Ebenen, besonders in der Schule – umgesetzt werden soll,
gingen die Meinungen weit auseinander. Schon bei der mehr als einstündigen
Vorstellung des Gutachtens, das die Grünen bei Professor Ulf Preuss-Lausitz in
Auftrag gegeben hatten, machte Gemurmel aus den hinteren Reihen den Unmut
deutlich. „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, so
eine Zuhörerin.
Preuss-Lausitz hob vor allem auf drei Punkte ab: Auf die UN-Konvention, die ein
Recht auf inklusive Bildung festlegt und einklagbar gemacht hat. Auf
Untersuchungen, denen zufolge schwächere Schüler in Klassen mit
Leistungsunterschieden mehr lernen – und stärkere Schüler ebenso. Letztere
erhielten zudem mehr soziale Kompetenz. Und auf die Problematik, dass
Förderschüler – so seine Erkenntnisse – zu 80 bis 90 Prozent ohne
Schulabschluss abgehen.
Marie Luise von Halem (Die Grünen), die zur Veranstaltung eingeladen hatte und
moderierte, kritisierte offen die Landesregierung. Sie sei zu langsam in der
Umsetzung. „Mir geht das gelegentlich eher viel zu schnell“, reagierte die
angesprochene SPD-Landtagsabgeordnete Sylvia Lehmann schlagfertig. Sie sei
dankbar dafür, dass es nach Konferenzen im Landkreis Dahme-Spreewald gelungen
sei, „in der Fraktion etwas Druck aus dem Kessel zu nehmen. Uns ist wichtig,
dass wir mit Fachleuten ins Gespräch kommen und ihre unterschiedlichen
Sichtweisen in politische Entscheidungen einbeziehen dürfen. Dafür brauchen wir
Zeit.“
Sie wehrte sich entschieden dagegen, „dass die Förderschulen so schlecht
dargestellt werden“, sagte sie in Richtung Preuss-Lausitz und erhielt Applaus.
„Das nervt mich.“ Die Angebote der Förderschulen seien mit
Kooperationsverträgen, Praktika und Außenarbeitsplätzen bereichert.
„Die Kinder leben nicht auf einer Insel“, bestätigte Viola Sklomeit gegenüber
der RUNDSCHAU. Das Problem der wenigen Abschlüsse ist vielschichtig, ergänzt
die Leiterin der Lübbener Förderschule Am Neuhaus, in die nach Minister-Plänen
in gut drei Jahren nicht mehr eingeschult werden soll. Die Eltern müssen einen
Antrag stellen, wenn ihr Kind die einfache Berufsbildungsreife ablegen möchte.
Carsten Saß (CDU) vom Dahme-Spreewald-Kreis forderte, dies umzukehren, so dass
die Kinder automatisch einen Abschluss machen und nur dann nicht, wenn die
Eltern es beantragen.
Die Auslegung der UN-Konvention zweifelte Werner Weiss, Schulrat a.D., an. „Sie
verlangt nicht, dass Förderschulen abgeschafft werden sollen. Das steht an
keiner Stelle! Wer uns das einzureden versucht, muss entweder nachlesen oder
wahrhaftiger sein.“ Andere Bundesländer würden „nicht im Traum“ daran denken.
Zudem sollten Eltern weiter die Möglichkeit haben, „aus den bestehenden
Angeboten für ihr Kind das beste auszuwählen“.
Weiss empfahl ebenso wie Saß und Dr. Wolfram Kinze, ehemaliger Chefarzt der
Kinder- und Jugendpsychiatrie in Lübben, „ein deutlich vorsichtigeres und am Einzelfall
orientiertes Vorgehen“. Allen dreien war das Gutachten „zu wenig an der
Realität gemessen“, so Weiss. Kinze warnte zudem eindringlich davor, auf
Diagnostik zu verzichten. Auch Viola Sklomeit sieht es als große
Herausforderung an, Grundschulkinder in einer Leistungsbreite von den ganz
Klugen bis hin zu den Lernschwachen an der Grenze zur geistigen Behinderung
gleichzeitig zu unterrichten – verhaltensauffällige Kinder inklusive. „Ich
befürchte, dass Behinderte in politische Zwänge geraten und ihre Bedürfnisse
dabei außer Acht gelassen werden.“
Ingvil
Schirling
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